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Rezension: „Die Tage, die ich Dir verspreche“

„Mein Arzt sagt, die Familien des Spenders sind froh, helfen zu können. Wie können Sie froh sein? Jemand, den sie lieben, ist tot.“

die-tageGwen ist 19 Jahre alt und herzkrank. Nach langer Zeit des Wartens, Hoffens und Angsthabens findet sich tatsächlich ein Spenderherz für sie. Gwen hat es geschafft.
Oder doch nicht?
Jeder erwartet, dass sie nun, nachdem sie die Operation, die lange Nachbehandlung und die Reha hinter sich gelassen hat, gesund, munter und fröhlich durch’s Leben geht. Jeder, Familie, Freunde und Umfeld erwarten, dass es ihr nun gut geht. So ist es aber nicht.
Gwen ist verzweifelt. Sie wird von Albträumen geplagt, von Schuldgefühlen dem Spender und dessen Familie gegenüber erdrückt, kann die vermeintlichen Erwartungen nicht erfüllen und ist so verzweifelt, dass sie Hilfe in einem Forum für Herzkranke sucht und einen Post verfasst: „Herz zu verschenken“.

Der Administrator Noah, selber Student, Sohn einer Herzchirurgin, und ebenfalls durch das Leben schwimmend, ohne Ziele, löscht Gwens Post und auch Ihren Zugang, da er denkt, es handelt sich um einen Fake. Doch Gwen lässt sich dies nicht gefallen und fährt kurzerhand über Nacht nach München zu Noah.

Noah stellt erschrocken fest, dass Gwen es ernst meint und ihr Herz weitergeben möchte, da sie das Leben nicht als lebenswert empfindet. Um sie von dem Gegenteil zu überzeugen, lässt er sie bei sich wohnen und lügt sie an: „Ich möchte Dein Herz für mich selber.“
Noah und Gwen verbringen eine schöne Zeit miteinander, obwohl Gwen sich immer noch das Leben nehmen möchte.
Und natürlich verschenkt sie Ihr Herz. Aber ob dies so geschieht, wie ursprünglich geplant…?

Alana Falk

Die Autorin, Lily Oliver, wurde 1980 in München geboren, wo sie heute noch mit ihrem mann lebt. Sie greift in ihrem Roman ein Thema auf, das immer aktuell ist. Organspende, Transplantationen, Krankheit. Doch wie sieht es mit den Menschen aus, die tatsächlich Organe empfangen und das Leben weiterleben können? Sind sie tatsächlich alle nur dankbar, fröhlich und gesund und munter?

„Die Tage, die ich Dir verspreche“ ist ein Roman über das Leben nach dem „Happy End“.
Die Protagonistin Gwen ist Teenager und hat jetzt, wo sie ein Spenderorgan bekommen hat, das Leben noch vor sich. Vermutlich nicht ein so langes, wie man als gesunder Mensch erwartet. Dennoch kann sie dieses Geschenk nicht annehmen und hängt in tiefen Depressionen fest, aufgefressen von Ängsten, Schuldgefühlen und Unsicherheiten.
Leider ist sie der Meinung, mit niemandem darüber reden zu können, und versucht alles mit sich selbst zu klären. Panikattacken bestimmen Ihr Leben ebenso wie die Versuche, sich nichts anmerken zu lassen. Dabei sieht sie das Offensichtliche nicht, was Noah betrifft. Gwen ist ein verzweifelter und – leider- stummer Charakter.
Ebenso Noah. Auch er ist verzweifelt, weiß er doch nicht, wohin ihn sein Leben führen soll. Genau wie Gwen trägt er Ängste mit sich herum und auch ihn prägt das Stummsein und das mit niemanden Reden wollen und können.

Natürlich entsteht ein Geplänkel zwischen beiden  und des Leser wird Beobachter einer Liebesgeschichte, die es besser nicht geben sollte. Denn schließlich möchte Gwen ihr Herz an Noah, der ja angeblich auch herzkrank ist, abgeben.

Ich bin mir bis jetzt nicht sicher, in welche Kategorie ich den Roman einsortieren soll und mit welcher Absicht Lily Oliver das Buch geschrieben hat.
Natürlich um auf die Geschichte hinter der Geschichte aufmerksam zu machen. Inspiriert wurde sie übrigens von einer Doku, die von einer Nierentransplantation handelte und in der der Empfänger drei Tage post OP fröhlich durch die Welt hüpfend dargestellt wurde.

Aus meiner Sicht ist „Die Tage, die ich Dir verspreche“ eher ein Jugendbuch, das versucht ein wichtiges  Thema zu transportieren.
Mich als erwachsener Leser konnte der Roman nur schwer mitreißen. Obwohl ich Jugendbücher liebe!
Die Sprachlosigkeit der Hauptfiguren, die Liebesgeschichte, die aus meiner Sicht das wichtige Thema ab einer bestimmten Stelle überdeckt, und die Vorhersehbarkeit haben mich an manchen Stellen einfach genervt und mich wütend gemacht.  Wäre die Thematik nicht so wichtig, würde ich das Buch in der Rubrik „Kaffeelektüre“ ablegen.
Daher gibt Fräulein Briest nur 3 von 5 Sterne für dieses Buch, das ein sehr hübsches Cover hat.

Ich habe dieses Buch im Rahmen einer Leserunde gewonnen, für die ich mich beworben hatte. Denn die Thematik ist tatsächlich selten und so wichtig. Leider konnten mich weder Charaktere noch Story überzeugen.
😦

„Die Tage, die ich Dir verspreche“ von Lily Oliver
Verlag: Droemer-Knaur
Klappenbroschur, Knaur TB
01.09.2016, 368 S.
ISBN: 978-3-426-51676-8

 

4 Kommentare zu „Rezension: „Die Tage, die ich Dir verspreche“

  1. Hey 🙂
    Ich glaube das ist die erste, etwas kritische Rezension, die ich bisher gelesen habe und soll ich dir mal was sagen? Ich bin erleichtert! Nachdem ich das Buch gestern beendet hatte, konnte ich nämlich nicht verstehen, warum es so gelobt wird. Die Emotionen kamen bei mir nicht an und ich sehe es wie du: Die Liebesgeschichte nimmt einfach viel zu viel Platz ein und überschattet das eigentliche Thema.
    Ich finde es so schade, dass man da nicht mehr draus gemacht hat. 😦
    GlG
    Kitty ♥
    P.S. Ich würde deine Rezension gerne bei mir verlinken. Ist das okay?

    Gefällt 1 Person

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