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Kurzrezension: Bloß nicht weinen, Akbar!

Ein Thema, das nicht nur in den Deutschunterricht, sondern in das Leben an sich gehört

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Akbar musste im Alter von 7 Jahren mit seiner Familie aus Afghanistan fliehen, wobei seine Eltern und Geschwister spurlos verschwunden sind. Mit seiner Tante, seinem Onkel und den Cousins und Cousinen kam Akbar dank Schleppern im Iran an und baute sich dort ein neues Leben auf. Leider wurde der Fehler gemacht, dass Akbar nicht als leibliches Kind angegeben wurde, sondern als Neffe, denn die Hoffnung auf das Nachkommen der Eltern und Geschwister gab man nicht auf.
Dies hatte zur Folge, dass Akbar weder einen Pass erhielt, noch die Schule besuchen durfte.  Dies ging einige Jahre gut, bis er im Alter von 16 Jahren in eine Polizeikontrolle kam – ohne Pass. Er wurde vor die Wahl gestellt: entweder eine Strafe in absurder Höhe zu zahlen oder das Land zu verlassen. Aber wo sollte er hin? Zurück nach Afghanistan konnte er nicht, da ihn dort niemand erwartete, außer Gefängnis und Tod.
Also entschied er sich gemeinsam mit seiner Tante und seinem Onkel zur Flucht nach Europa.
Mit einer Schlepperbande schaffte er es nach Griechenland, von wo aus er auf eigen Faust und mit kaum Geld in der Tasche weiter nach Italien, Frankreich und letztendlich Deutschland durchschlug. Eigentlich war sein Ziel Skandinavien, doch die verschärften Grenzkontrollen zu Dänemark, bereiteten seiner Reise ein vorzeitiges Ende.

In Deutschland angekommen, lernte er Deutsch, ging zur Schule und machte sogar erst den Haupt-, dann den Realschulabschluss nach und fand sogar eine Lehrstelle – mit Unterstützung. Frauke Kässbohrer, die auch diese, Akbars Geschichte auf Wunsch des Jungen hin, aufschrieb und veröffentlichte, stand und steht ihm mit Rat und Tat zur Seite.
„Bloß nicht weinen, Akbar!“ ist die Geschichte eines jugendlichen Flüchtlings, der seine Geschichte aufgeschrieben sehen wollte, um seinen Mitmenschen zu zeigen, wo er herkommt, was er erlebt hat und warum er hier, in Deutschland, ist. Denn Akbar glaubt fest daran, dass seine Menschen ihn und andere Flüchtlinge besser verstehen, wenn sie ihre Geschichten kennen.

Frauke Kässbohrer unterrichtet Flüchtlinge in Deutsch und steht ihnen auch in anderen Lebenslagen beiseite. Sie schrieb nach Akbars Erzählungen rund 2 Jahre an diesem Büchlein, dass sich tatsächlich als Selbstläufer entwickelte bis schließlich der Verlag Hase und Igel darauf aufmerksam wurde und Autorin und Buch unter Vertrag nahm.

Mittlerweile wird dieses Buch als Literatur für den Deutschunterricht empfohlen, was ich nur unterstützen kann. Ich selber bin auf diese Geschichte gestoßen, da meine Tochter sie in der 6. Klasse liest und mir immer wieder begeistert davon erzählte – obwohl sie eigentlich „Nicht-Leserin aus Prinzip“ ist!

Akbars Geschichte ist spannend, aufregend, zum Mitzittern und Hoffen, wenn er von den einzelnen Stationen seiner Flucht erzählt. Davon wie er von einem Land in das nächste reist, ohne einem klaren Ziel vor Augen. Auf sich allein gestellt, mit 16 Jahren!

Sicherlich fehlt es teilweise an Tiefe in diesem 125seitigen Büchlein. So wird meines Erachtens vorausgesetzt, dass der Leser die politischen und geschichtlichen Hintergründe Afghanistans und auch des Irans kennt und daraus ableiten kann, warum die Menschen überhaupt von dort fliehen. Ich hoffe, dass jeder Leser weiß, was es heißen kann, in diesen beiden Ländern zu leben, bzw. dass die Lehrer, die dieses Buch mit ihren Klassen lesen, dies vermittel können.

❤ ❤ ❤ ❤ ❤

Von mir bekommt „Bloß nicht weinen, Akbar!“ dennoch 5 von 5 Sternen ( in diesem Fall Herzchen) und eine ganz klare Leseempfehlung. Denn jeder sollte wissen, warum Menschen fliehen und Schutz suchen und was sie auf der Flucht erleben. Es geht hierbei um  Diskriminierung, Integration und Sozialisation – alles Themen, die nicht nur in den Deutschunterricht, sondern in das Leben an sich gehören.

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Frauke Kässbohrer und Akbar

Schulausgabe
125 Seiten
Taschenbuch
2. Auflage 5,95 € [D] 6,15 € [A]
Hase und Igel Verlag
ISBN  978-3-86760-180-1
Best.-Nr.: 180-1 sofort lieferbar
Für Lehrer gibt es auch Begleitmaterialien zu diesem Buch

 

 

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