Allgemein · Bücher · Lifestyle

Duft, der – Wortart: Substantiv, maskulin Häufigkeit: ▮▮▮▯▯

Liebe Lektoren & Verlage, werdet kreativer!
duft3

Bedeutungsübersicht: als angenehm empfundener, zarter bis intensiver Geruch*

Durch Zufall stolperte ich heute über einen Buchtitel „Der Duft von…“.

„Ach, kenn‘ ich schon“, hab ich mir gedacht und wollte schon zum nächsten Titel übergehen. Stellte dann aber fest, dass das Buch ja ganz frisch erschienen ist! Also suchte ich in meiner Bibliothek nach „Der Duft von…“ und stellte fest, dass ich schon mindestens 3 Bücher mit ähnlichem Titel gelesen haben muss.

Ich recherchierte. Bei Thalia.de gab ich in der Suchfunktion „Der Duft“ ein und erhielt mehr als 590 Treffer. Nicht nur Romane, aber überwiegend.
Ich sortierte das Ganze ein wenig und war immer noch erschlagen von der Anzahl der Titel, die mit „Der Duft von…“ / „Der Duft der…“/ „Der Duft nach…“ beginnen.

Was aber bewegt Lektoren und Verlage, Bücher mit dem Titel „Der Duft …“ zu veröffentlichen? 
Ist es die Wortherkunft? Duft stammt aus dem Althochdeutschen und heißt in weiterer Bedeutung auch Dunst und Nebel. Wobei der Mensch das Wort Duft ja häufig mit angenehmen Dingen verbindet. Dunst ist schon eher negativ behaftet und Nebel – außer dem wettertechnischen – ja wohl auch: „Nebel von Zigarettenrauch“ – „Dunst von Schweiß“, etc.

Duft soll also etwas positives suggerieren. Schließlich gehört das Riechen, die olfaktorische Wahrnehmung,  zu den 5 Sinnen der Menschheit – ok, Forscher sind der Meinung, dass der Gleichgewichtssinn den 6. ausmacht, aber das gehört hier nicht her. Einer aktuellen Studie zufolge soll der Mensch über eine Billion Gerüche unterscheiden können!!![1]
Viele Menschen haben einen so hervorragenden Geruchssinn, dass sie gerochenes sofort zuordnen können, sogar die Markennamen der dazugehörigen Parfums wissen. Ich gehöre leider nicht zu denjenigen. Sondern zu denjenigen, die nur wissen, dass „das schon mal irgendwo gerochen wurde“. Gerüche werden vom Menschen also mit Emotionen und Assoziationen verbunden.

Verlage hoffen anscheinend, dass der Titel „Der Duft…“ an sich schon ausreicht, um dem vermeintlichen Buchkäufer, sprich dem Leser, etwas schönes, wohlriechendes, gemütliches und das pure Glück, zu assoziieren. Und Leser wollen schließlich mit guten Büchern beglückt und zufrieden gemacht werden. Marketingtechnisch ist dies also eine ganz feine Idee. Leider schon verbraucht.

Denkt Euch doch was neues aus! 

Hier ein Auszug aus den Titeln, die mich ansprangen:

  • Der Duft der Asche

    erdbeersaft
    Quelle: Ella Wünsche, Autorin
  • Der Duft der grünen Papaya
  • Der Duft der Kaffeeblüte
  • Der Duft der Mondblume
  • Der Duft der Orchidee
  • Der Duft der Pfirsichblüte
  • Der Duft der roten Erde
  • Der Duft der Träume
  •  Der Duft der verlorenen Träume
  • Der Duft der Wildrose
  • Der Duft der Wüste
  • Der Duft der Wüstenrose
  • Der Duft des Blutes
  • Der Duft des Jasmins
  • Der Duft des Muskatnuss
  • Der Duft des Oleanders
  • Der Duft des Regen
  • Der Duft des Sommers
  • Der Duft des Sommerwindes

    orchidee
    Quelle: fischerverlage.de
  • Der Duft meiner Heimat
  • Der Duft meiner Kindheit
  • Der Duft nach Heu
  • Der Duft nach Vanille
  • Der Duft von Apfelblüten
  • Der Duft von Bergamotte
  • Der Duft von Bittermandel
  • Der Duft von Eisblumen
  • Der Duft von Erdbeersaft
  • Der Duft von Erde und Zitronen
  • Der Duft von Hisbiskus
  • Der Duft von Holunder
  • Der Duft von Lavendel
  • Der Duft von Safran
  •  Der Duft von Schnee
  • Der Duft von Schokolade
  • Der Duft von Tee
  • Der Duft von wilden Erdbeeren
  • Der Duft von zu Hause
  • Vom Duft der Rosenblüten
  • u.v.m.

 

 

 

duft2

*Quelle: Duden

[1]C. Bushdid, M. O. Magnasco, L. B. Vosshall, A. Keller: Humans Can Discriminate More than 1 Trillion Olfactory Stimuli. Science 21, März 2014, Vol. 343, No. 6177, S. 1370–1372. doi:10.1126/science.1249168

Bildquellen: sweetclipart.com / fotosearch.com

4 Kommentare zu „Duft, der – Wortart: Substantiv, maskulin Häufigkeit: ▮▮▮▯▯

  1. Wenn diese Art der Buchtitelvergabe damals schon en vogue gewesen wären, dann hätte man „Das Parfum“ wahrscheinlich „Der Duft der Frauen“ genannt, und für den gleichnamigen Al-Pacino-Film hätte man sich etwas Anderes ausdenken müssen…

    Gefällt 2 Personen

  2. Sag mal,
    wie bist du da herangeraten? Ich beschäftige mich gerade mit der Wissenschaft des Riechens.
    Da steckt natürlich viel mehr dahinter, wenn man an den Haupthistokompatibilitätskomplex (Abkürzung vergessen) denkt.
    Muss nochmal nachrecherchieren. Einen Artikel hab ich darüber schon geschrieben, kann ich aber im Moment nicht verlinken.
    Very interesting again!!
    PJP

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s