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Rezension: Baba Dunjas letzte Liebe

Baba Dunja – man muss sie lieb haben

baba

„Baba Dunjas letzte Liebe“ erscheint bei Kiepenheuer & Witsch

Jahre nach dem Atomunglück im ukrainischen Tschernobyl kehrt Baba Dunja, ehemalige Krankenschwester und jenseits der 70, in ihre alte Heimat Tschernowo, dem Sperrgebiet, oder „dem Ende der Welt“ wie die Einheimischen sagen, zurück. Ihr folgen einige andere Altbewohner des Geisterdorfes und so lebt in dem atomar verseuchten Gebiet ein kleiner Haufen von Alten, Intellektuellen und schon Totgesagten.
Die Gemeinschaft führt ein Leben im Niemandsland. Holt sich Wasser aus dem Brunnen, baut Gemüse und Früchte im Garten an und lebt in Eintracht mit Vögeln, die hier lauter singen als sonstwo, mit Spinnen, die außergewöhnliche Netze weben und mit Forschern und Wissenschaftlern, die dann und wann in Schutzanzügen und mit Geigerzählern vorbeikommen, um Proben des verseuchten Gebiets zu sammeln.
Baba Dunja hat Tochter und Enkelin, die in Deutschland leben und natürlich nicht zu Besuch kommen. Ein steter Briefwechsel, zuletzt mit der Enkelin, motiviert sie zum Weitermachen.Und auch die anderen Dorfbewohner wie Maja, die alte Nachbarin oder der  fast hundertjährige Sidorow, zählen auf Baba Dunja und holen sich stets Rat und Fürsorge bei ihr.
Doch eines Tages taucht ein Fremder samt kleiner Tochter in dem Dörfchen auf und alles ändert sich. Die Gemeinschaft steht kurz vor dem Zusammenbruch und die Realität der „wahren Welt“ holt sie ein.

Die Autorin Alina Bronsky schreibt von Heimatverbundenheit, -gefühlen und
-treue. Die Geschichte nimmt einen von Anfang an mit, denn der erzählende Ton, der den Leser nur hier und da in die tatsächliche Gedankenwelt von Baba Dunja, der Protagonistin, hineinsehen  lässt, ist ganz leicht und sanft- trotz des schwierigen Themas.
Liest man dieses Buch, fühlt man sich eingeladen in eine Welt, die einem „Urlaub in Schweden“ vermittelt.  Nur dann, wenn von Forschern und Wissenschaftlern die Rede ist, die von allem, was ihnen unter kommt, Proben nehmen, um die tödliche Radioaktivität zu messen, spürt man, bzw. wird man an die Realität, die so gar nicht gesund ist, erinnert.

Alina Bronsky nimmt das Thema Tschernobyl und die Folgen für Mensch und Umwelt ernst, stellt dies aber nicht allzu offensichtlich in den Vordergrund. Der mahnende Zeigefinger bleibt aus. Sie erinnert und schreibt aus Sicht der Betroffenen und deren Leben „danach“ – nach der Katastrophe vom 27. April 1986.
Ihre Baba Dunja ist wie ein Fähnchen im Sturm. Sie lässt sich nichts diktieren, lebt nach ihrem eigenen Ermessen und auf ihre eigene Verantwortung und hat dabei aber immer einen Blick auf „ihre Mitbewohner“, vor die sie sich schützend stellt und gegen alle Widerstände antritt. Man muss sie lieb haben.

Zur Autorin*
Alina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinburg/Russland, lebt seit Anfang der 90er-Jahre in Deutschland. Ihr Debütroman Scherbenpark wurde zum Bestseller, ist inzwischen beliebte Lektüre im Deutschunterricht und wurde fürs Kino verfilmt. Es folgten die Romane Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche und Nenn mich einfach Superheld. Die Rechte an Alina Bronskys Romanen wurden in 15 Länder verkauft. Sie lebt in Berlin.
*Quelle: Kiepenheuer&Witsch

„Baba Dunjas letzte Liebe“ ist ein wunderschönes Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte.

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